Dialog / 2017

Meine Arbeit beschäftigt sich mit einem Teil des künstlerischen Schaffensprozess, der diesem oft gar nicht zugehörig erscheint – die Betrachtungssituation, und wie folglich Rezipienten mit dem Werk umgehen, wird oft vernachlässigt.

Die Diplomarbeit mit dem Titel ›DIALOG‹ rückt die Reaktionen und die daraus entstandenen Kommentare zu meinen Bild gewordenen Fragestellungen bzgl. Fotografie und der Rolle des Bildes in den Fokus. Sie entstammen meinem Online-Archiv *1 und zeugen von den Betrachtungssituationen und befragen weiterhin die jeweilige Erwartungshaltung der Rezipienten. Die Verschiebung in den Kunstkontext, indem ich diese Reaktionen und Kommentare als eigenständige Arbeit anerkenne, macht diesen Prozess öffentlich und stellt ihn zur Diskussion.

Zu hören ist eine Auswahl von 200 *2 aus über 4200 Kommentaren, die durch Zufallswiedergabe in einen unaufhörlichen und immer wieder neuen Dialog miteinander treten. So treffen die verschiedenen Sichtweisen, Erwartungen und Wünsche der Betrachter direkt aufeinander und polarisieren fortlaufend.
Es wird deutlich, dass es viele verschiedene Arten der Herangehensweise an künstlerische Arbeiten gibt, dass der Betrachter selbst das Werk mit Inhalt füllt und es somit für sich erfahrbar macht.

Für die Diplomausstellung habe ich einen leeren Raum gewählt, der als Projektionsfläche dient. Die Bilder entstehen im Kopf, die physische Abwesenheit der Bilder gibt dem Besucher die Möglichkeit sich die Bilder, aber auch die Kommentatoren vielfältig zu imaginieren. Gleichzeitig gibt die Leere die Möglichkeit, die Kommentare, während des Hörens, auf sich wirken zu lassen und ggfs. auch die eigenen Ansprüche und Erwartungen an zeitgenössische Fotografie und deren Präsentation zu hinterfragen.

In einer Gruppenausstellung hingegen gibt es keinen leeren Raum und die Kommentare können direkt auf andere sichtbare Arbeiten projiziert werden. Dies ist auch für mich ein spannender Moment, wenn die Kommentare auf fremde Arbeiten treffen, die nicht deren Ursprung sind. Dennoch müssen sie sich den Kommentaren stellen und ihnen standhalten.

*1 das Online-Archiv wird seit 2012 stetig gefüllt und umfasst derzeit 331 Arbeiten
*2 Gesämtlänge der Kommentare 17min